Splitterschutzzelle
Denkmalnummer 05334002 C 03628
Adresse Erzbergerallee o.nr.
Koordinaten 296080 5627805
Eintragung 17.08.2018
Denkmalart Bewegliches Denkmal
Kataster Flurstück: Gem.: Burtscheid Flur: 1 Flurst.: 3126
Merkmale Zwei Splitterschutzzellen gleicher Bauart aus der Zeit des 2. Weltkriegs mit teilweise erhaltenen Fundamentplatten; Hersteller unbekannt ("Typ Aachen"); Standhöhe ca. 200cm, ca. 16cm starke Stahlbetonhülle als konischer Corpus mit leichter Verjüngung zur Kalotte, Haupteinstieg (ca. 100 x 50cm) mit umlaufender Falz, Rückseitig offene Notausstiegsluke, ein Bunker mit erhaltener Beton-Haupttür mit Scharniergestänge und Griff (ein Scharnier ausgehangen), jeweils vier Sehschlitze. Bauzeitlicher Aufstellungsort beider Bunker unbekannt. - Siehe Gutachten vom 12.07.2018 -
Begründung Die Objekte sind bedeutend für die Geschichte der Menschen. Für ihre Erhaltung und Nutzung sprechen wissenschaftliche, hier insbesondere architektur- und militärgeschichtliche Gründe. Bedeutung für die Geschichte der Menschen: Die Splitterschutzzellen sind bedeutend für die Geschichte des Menschen, da sie auf anschauliche Weise an die Zeitumstände und die Lebensbedingungen sowie den Kriegsalltag der Bevölkerung während des Zweiten Weltkriegs erinnern. Die zivilen Luftschutzanlagen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs sind ein deutliches Zeichen für die seit dieser Zeit geänderte Form der Kriegsführung. Sie zeigen eine Reaktion der Bevölkerung auf die Bedrohung neuer Waffengattungen und das Anvisieren von Städten und Industrieanlagen als Angriffsziele. Darüber hinaus sind sie anschauliche Zeugnisse des Luftschutzes und des Bombenkrieges im Zweiten Weltkrieg. Ferner liegen für Erhalt und Nutzung vor: Wissenschaftliche, hier insbesondere architektur- und ortsgeschichtliche Gründe Die Splitterschutzzellen wurden während des Zweiten Weltkrieges in großer Stückzahl durch eine Reihe von Firmen serienmäßig hergestellt. Die beiden Splitterschutzzellen im Moltkepark entsprechen einem unbenannten Typus ("Typ Aachen"?), der möglicherweise mit den drei bekannten Herstellerfirmen in Aachen und Umgebung im Zusammenhang steht (Wirtz & Co in Aachen, Firma Scheidt und Firma Blees in Stolberg). Die Splitterschutzzellen wurden überall dort eingesetzt, wo einzelne Personen keinen geeigneten Schutzraum erreichen konnten oder wo besondere Beobachtungsaufgaben, Brandwachen etc. zu erfolgen hatten. Wie üblich waren auch die S Splitterschutzzellen im Moltkepark mit einer verriegelbaren Einstiegsluke aus Beton sowie vier Sehschlitzen unterhalb der Kalotte ausgestattet. Um zu verhindern, dass die Splitterschutzzelle durch Explosionsdruckwellen umgeworfen wurde, wurde sie, wie hier nachvollziehbar, auf einem Fundament errichtet. Sollte dennoch der Fall eines Umwurfes oder Beschädigung etc. auftreten, besaßen die Zellen eine kleine rückseitige Notausstiegsluke, die ausreichend groß für ein Hindurchzwängen war. Je nach Möglichkeit konnten die Zellen zusätzlich durch Erdaufschüttungen, teilweises Eingraben oder zusätzliche Wände und Mauern abgesichert sein. Die Splitterschutzzellen und Brandwachenstände sollten Beobachtungs- und Wachkräfte in Städten, Betrieben, Lagern und militärischen Einrichtungen vor abgeworfenen Kleinkampfmitteln wie Stabbrandbomben und besonders vor Splittern schützen. Die Verbreitung der Kleinstbunker war immens - insbesondere bei Industrieunternehmen, der Deutschen Reichsbahn oder bei militärischen Einrichtungen kamen sie in großer Zahl zum Einsatz. Die Gesamtzahl der gefertigten Splitterschutzzellen und Brandwachenstände ist nicht annähernd zu schätzen, es dürften aber mehrere (zehn)tausend gewesen sein. Die meisten Zellen, die in der Zeit des Zweiten Weltkrieges in Deutschland errichtet wurden, sind zwischenzeitlich abgeräumt worden (nach Auskunft des LVR - Amt für Denkmalpflege im Rheinland ist der Erfassungs- und Dokumentationsstand bisher mangelhaft). Aufgrund ihrer geringen Größe waren diese Schutzbauten nach dem Krieg leicht zu beseitigen. So ist von diesen ehemals häufigen Anlagen heute nur noch ein geringer Bruchteil erhalten: für das Aachener Stadtgebiet liegen nach derzeitigem Kenntnisstand noch insgesamt vier Zellen vor. Die Splitterschutzzellen dienen der Ergänzung archivalischer Überlieferung und historischer Zeugnisse der Zeit und dienen somit als wichtige Quelle. Das wissenschaftliche wie öffentliche Interesse manifestiert sich nicht zuletzt in zahlreichen Veröffentlichungen und darüber hinaus regelmäßigen Berichten in den Medien Die Voraussetzungen des § 2 Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen für die Eintragung in die Liste der geschützten Denkmäler sind daher erfüllt.
Schutzumfang Der Schutzbereich umfasst die beiden Splitterschutzzellen sowie die noch vorhandenen Fundamentreste. - Siehe Lageplan, der Bestandteil der Eintragung ist ?
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