| Merkmale | Wohnhaus als Teil des ehem. Pannhauses (Brauhaus) und ehem. Schöffengericht; giebelständiges, zweigeschossiges Gebäude in 3:6 Achsen, Bruchsteinmauerwerk mit nachträglichen Änderungen u. Ausbesserungen in Feldbrandsteinen, nach Eisenankern datiert 1622, im Kern wohl älter; hofseitig z.T. zugesetzter Portalbogen aus Blausteinen; Fensteröffnungen mit Blausteingewänden des 19. Jh. teilweise mit Stichbögen und Keilstein (Giebelfassade), an Giebel- und Westseite ältere Entlastungsbögen aus Feldbrandsteinen erkennbar (hist. Fensteröffnungen), in der nördl. Giebelspitze zugesetztes Doppelfenster mit Holzblockrahmen. In den Tür-Schlusssteinen der Nord- und Westfassade die Jahreszahlen 1845 und 1846 als Hinweis auf größere Veränderungen. Nordöstlicher Fachwerk-Anbau in Stockwerkbauweise nachträglich im 17./18. Jh. angebaut, hier massives Sockelgeschoss mit zweitverwendeter profilierter Blausteinsäule (vermutl. ehem. Schandpfahl) als untere Eckstütze, hohes EG mit z.T. vermauertem Fachwerk, Stichbogenfenster mit Blausteingewänden, darüber Fachwerk mit verputzten Back- und erneuerten Bimsstein-Gefachen; profilierte Knaggen, teilweise bauzeitliche Fensteröffnungen im 1. OG und Giebel erkennbar. Satteldächer mit Hohlziegeldeckung, Dachgauben auf dem Längsbau nachträglich; Dach des Fachwerkanbaus mit profiliertem Schwebegiebel.
Innen: mehrere Kellerräume mit Tonnengewölbe aus Back- und Bruchstein, darin ein teilw. eingewölbter großer Brunnen (wasserführend); Teile der Raumstruktur und Konstruktion mit Blausteinboden, Balkendecken mit Mutterbalken (z.T. verputzt), einige Hohlkehlendecken, Holztreppe des 19. Jh., im EG Ofennischen erkennbar, z.T Rahmenfüllungstüren des 19. Jh.; nahezu vollständig erhaltener Bockgerüst-Dachstuhl mit aufgelegten Pfetten, Längsverband und Rofen, wohl frühes 17. Jh. |
| Begründung | Das Objekt ist bedeutend für die Geschichte der Menschen, für Städte und Siedlungen und für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse. Für seine Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche sowie städtebauliche Gründe vor.
Bedeutung für die Geschichte des Menschen:
Als Pann- bzw. Brauhaus (Zwangsbrauhaus der Reichsabtei Kornelimünster) und Sitz des Schultheißen und Schöffengerichts bildete das Haus über Jahrhunderte (neben der Kirche) einen kulturellen und gesellschaftlichen Mittelpunkt Eilendorfs. Darüber hinaus zeigt aber auch das Gebäude selbst anhand seiner im lokalen Vergleich ungewöhnlichen Größe und Kubatur bereits eine besondere Bedeutung an. Architektonische Details, z.B. der ehem. Schandpfahl unter dem Fachwerkanbau oder das Rundbogenportal in der südwestlichen Hofecke unterstützen diesen Eindruck. Diese Qualität hängt sicherlich mit der ehem. Stellung als Brauhaus der Reichsabtei Kornelimünster zusammen und repräsentiert die Nutzung als Sitz des Schöffengerichts. Das Gebäude Severinusplatz Nr. 5 und 7 hat somit einen erheblichen Dokumentationswert für die Geschichte des Menschen in Eilendorf und der Region.
Bedeutung für Städte und Siedlungen:
Das Gebäude Severinusplatz Nr. 5 und 7 datiert aufgrund seiner Geschichte und baulichen Gestalt mindestens in das frühe 17. Jahrhundert (1622), einbezogene Teile eines älteren Baus sind sehr wahrscheinlich. Damit gehört es zu den ältesten Gebäuden Eilendorfs und kann neben der Kirche als städtebaulich zentraler Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung gezählt werden. Für die Siedlungsgeschichte Eilendorfs ist der zentral gelegene Gebäudekomplex somit von höchster Bedeutung.
Bedeutung für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse:
Brauhäuser, regional häufig als "Pannhäuser" bezeichnet, waren spätestens seit dem Mittelalter vielerorts vorhanden und waren für die Grundversorgung der Bevölkerung von hoher Bedeutung. Das Braurecht bzw. die Braugerechtigkeit gehörte zunächst zu den Vorrechten der Grund- oder Landesherrschaft und beschreibt das Recht, Bier zu brauen und zu verkaufen. Es war ein sog. Realrecht, d.h. es war an ein bestimmtes Grundstück bzw. Haus gebunden. Das obrigkeitliche Braumonopol, d.h. der vorgeschriebene ausschließliche Ausschank aus diesem Brauhaus, wurde als Brauzwang bezeichnet und sicherte dem jeweiligen Grundherren erhebliche Einkünfte - in diesem Fall der Reichsabtei in Konelimünster.
Als nachvollziehbare bauliche Relikte dieser historischen Produktionsstätte sind der ungewöhnlich große Brunnen unter dem Gebäude sowie die als Lager genutzten Gewölbekeller erhalten. Das Gebäude ist somit auch für die Entwicklung der Arbeits- und Produkionsverhältnisse von Bedeutung. In der Ortsgeschichte und lokalen Tradition ist die Bezeichnung bzw. Funktion als "Pannhaus" präsent.
Ferner liegen für Erhalt und Nutzung vor:
Wissenschaftliche, insbesondere architekturhistorische und gefügekundliche Gründe:
Der Gebäudekomplex besteht aus einem ungewöhnlich großen, zweistöckigen Bruchsteinhaus sowie einem rechtwinklig angesetzten Fachwerkbau mit massivem Sockelgeschoss. Aufgrund der Bauinschriften (Ankersplinten und Türstürze) kann der Bau auf das Jahr 1622 mit späteren Umbauten im 18. und 19. Jh. datiert werden, ältere integrierte Bauteile sind sehr wahrscheinlich. Der Bau zeigt somit zeittypische Formen in regionaler Ausprägung, wozu u.a. die Struktur mit Mutter- und Kinderbalken, das Fachwerk mit überkämmten Streben und profilierten Knaggen, die Holzblockrahmen der älteren Fenster, der Portalrundbogen im Hof sowie der typische Bockgerüst-Dachstuhl gehören. Für die Umgestaltungen des 18. und frühen 19. Jh. sind insbesondere die Fenster und Türen mit Blausteingewände und Stichbogen mit Keilstein typisch. Im Innern gehören dazu die Erschließung sowie die erhaltenen Ofennischen und Hohlkehlendecken. Eine bauliche Besonderheit der Fassaden bilden die großen Entlastungsbögen aus Backstein, die wohl zur ältesten Bauphase gehören und heute die ursprüngliche Position der Kreuzstockfenster erkennen lassen sowie die zweitverwendete Schandsäule unter der nordöstlichen Ecke des Fachwerkanbaus. Die Funktion dieses ungewöhnlichen Bauelementes ist wohl der Unterbringung des Schöffengerichts im Haus zuzuordnen, bleibt aber ohne weitere Forschung unsicher und ist damit nicht zuletzt aufgrund ihrer Seltenheit von hohem Quellenwert.
Die Besonderheit dieses Hauses zeigt sich zudem an der Raumstruktur, die aufgrund mehrerer Umbau- und Umnutzungsphasen komplex erscheint. Die sukzessive veränderten Bauteile und Räume sind anhand des Baubestandes innen und außen ablesbar. Zur erhaltenen Raumstruktur und Innenausstattung zählt das Keller- bzw. Sockelgeschoss mit Tonnengewölben, Brunnen und Balkendecken, im Wesentlichen aus dem 17. / 18. Jh. In Erd- und Obergeschossen sind Raumstrukturen, Holztreppen und Türzargen v.a. dem 19. Jh. zuzuordnen. Das grundlegende konstruktive Gefüge mit den regional typischen Mutter- und Kinderbalkenlagen stammt in weiten Teilen noch aus dem 17.-19. Jh. (vgl. Ankersplinten des 17. Jh. als Anzeiger für bauzeitliche Balkendecken). Der Dachstuhl weist, soweit einsehbar, noch weitestgehend die Konstruktion des 17. Jh. mitsamt Bindern, Pfetten, Rofen und Ankereisen auf. Insgesamt liegt, trotz der Veränderungen in späterer Zeit, noch umfangreich die Bausubstanz und Konstruktionsweise insbesondere des 17. Jh. vor. Somit stellt das "Pannhaus" in Eilendorf ein wertvolles Zeugnis der Architekturentwicklung von der Renaissance bis in das 19. Jh. dar und ist somit für die architekturgeschichtliche Forschung von unverzichtbarem Wert.
Städtebauliche Gründe:
Das markante, giebelständige Gebäude liegt städtebaulich prägnant am zentralen Severinusplatz in Aachen-Eilendorf. Der nur in Ansätzen bebaute städtische Raum zwischen der westlich gelegenen Kirche St. Severin und dem Severinusplatz bzw. der Steinstraße erlaubt eine weitgehend freie Sicht auf das historische Pannhaus und seine Bruchstein- / Fachwerkfassaden (Westen, Norden) und ist somit auch im Ortsbild markant. Im weiteren Verlauf der angrenzenden Severin- und Steinstraße bzw. am Kirchplatz befinden sich weitere Denkmäler, welche einen Eindruck des historischen Ortsbildes vermitteln. Das in den Dörfern bzw. der ländlichen Region um Aachen verwendete Steinmaterial entstammt in der Regel lokalen Steinbrüchen und ist daher auch immer ein Hinweis auf die geologischen Beschaffenheiten der Umgebung. Die Dörfer der schmalen Kalksteinzone am Nordrand des Hohen Venns, zu der das südliche und westliche Aachener Stadtgebiet gehört, sind spätestens seit dem 18. Jh. geprägt durch Bauten bzw. Bauteile aus Bruchsteinmauerwerk und Werkstein aus Blaustein. Gleichzeitig ist die frühzeitige Verwendung des Materials auch immer ein Hinweis auf die finanziell starke Situation des Bauherrn, wie es auch für das Pannhaus anzunehmen ist.
Erhaltung und Nutzung liegen aufgrund der ortsbildprägenden Gestalt und lokaltypische Bauweise im öffentlichen Interesse.
Die Voraussetzungen des § 2 Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen für die Eintragung in die Liste der geschützten Denkmäler sind daher erfüllt. |