Forsthaus
Denkmalnummer 05334002 A 03638
Adresse Belvedereallee 3
Koordinaten 294345 5629996
Eintragung 21.01.2021
Denkmalart Baudenkmal
Kataster Flurstück: Gem.: Aachen Flur: 70 Flurst.: 1106
Merkmale Ehem. Forsthaus innerhalb der Parkanlage Lousberg, errichtet 1. Hälfte 19. Jh. mit späteren Veränderungen, längsrechteckiges eingeschossiges Gebäude in Nord-Süd-Ausrichtung, verputzter Backsteinbau; östliche Traufseite mit drei prägnanten Zwerchgiebeln, Südgiebel und Teil der Westseite besitzen Fassadenverkleidung mit regionaltypischer Rechteckschieferdeckung auf Holzlattung, Südseite mit zwei Fensterachsen, darüber zusätzliche Öffnungen im Drempelbereich, Roofen- und Pfettenköpfe am Traufüberstand mit Profilierung. Walmdach mit roter Ziegeldeckung, auf Westseite drei Giebelgauben. Historische Eingangstüren z.T. mit verglastem Oberlicht, zweiflügelige Holzsprossenfenster mit Beschlägen, an der Ostseite mit Klappläden. Im Innern weitgehend historische Raumstruktur und Konstruktion erhalten, Keller mit Backsteinkappen, im Flur EG gewendelte Holztreppe mit Geländer ins Dachgeschoss, Rahmenfüllungstüren mit Zargen, Dielenböden. Dachgeschoss teils mit Kammern ausgebaut. Kehlbalkendachstuhl erhalten. (vgl. Gutachten vom 28.10.2020)
Begründung Das Objekt ist bedeutend für die Geschichte der Menschen und für Städte und Siedlungen. Für seine Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, hier insbesondere architekturhistorische, sowie städtebauliche Gründe vor. Bedeutung für die Geschichte des Menschen und der Städte und Siedlungen: Das Forst- bzw. Aufseherhaus stellt einen historisch und funktional wichtigen Bau im Zusammenhang mit dem ab 1806 geplanten Bürgerpark auf dem Lousberg mit Salvatorberg dar. Es gehört zu den ältesten Gebäuden, die innerhalb des Parks errichtet wurden und ist das einzige noch erhaltene. Das Forsthaus steht in der Tradition der bereits ab der Frühen Neuzeit vielerorts eingerichteten Amtshäuser der Jagd- und Forstverwaltung bzw. -bewirtschaftung. Im Aachener Reich waren die städtischen Förster in den Wachtürmen im Bereich des Landgrabens untergebracht. Im späten 19. Jh. entstanden typisierte und zentral geplante Forsthäuser wie z.B. in Preußen oder Bayern. Das Forsthaus am Lousberg ist dagegen kein Typenbau. Es wurde zum einen im Zuge der Anfang des 19. Jh. begonnenen initialen Wiederaufforstung des Lousbergs benötigt, zum anderen diente es wohl als Wohnung des Parkaufsehers und der Pflege und Bewirtschaftung des Bürgerparks. Denn auf dem Lousberg entstand ab 1807 eine der ersten von Bürgern initiierten öffentlichen Parkanlagen Europas. Dazu wurde der weitgehend unbewaldete und öde Berg im Auftrag von Alexandre de Lameth als Präfekten des Roer-Départements und Sekretär Körfgen zunächst mit über 25.000 Stecklingen bepflanzt und Wege angelegt. Um die Aufforstung des Berges Anfang des 19. Jh. mit z.T. bis zu hundert hier beschäftigen Arbeitern gewähren zu können, war ein entsprechendes Forsthaus vor Ort zur Parkpflege sowie als Aufenthalts- und Werkraum des Personals nötig. Eine auf historischen Plänen nachweisbare Baumschule am Südhang des Lousberg steht wohl ebenso in direktem Zusammenhang mit einem Forsthaus auf dem Lousberg. Die wesentliche Parkgestaltung übernahm 1814 der Düsseldorfer Gartenbaudirektor Maximilian Friedrich Weyhe. Die Aufforstung und Gestaltung des Lousbergs ist auch im Zusammenhang mit der geplanten Umgestaltung der Stadt Aachen in der Zeit der französischen Besatzung zu sehen, in deren Zuge auch weite Teile der Stadtmauern abgerissen und die Wallanlagen zu Alleen und Parkanlagen umgestaltet wurden. Der Bau des Forsthauses auf dem Lousberg ist eng verknüpft mit der historischen Entwicklung der Stadt und stellt ein bauliches Zeugnis für die Entstehung und Pflege dieser einmaligen Parklandschaft im Speziellen dar. Es ist das einzige Beispiel eines solchen Gebäudes innerhalb einer öffentlichen Parkanlage in der Region. Ferner liegen für Erhalt und Nutzung vor: Wissenschaftliche Gründe: Im 1815 von Weyhe erstellten "Plan zu den ferneren Anlagen auf dem Louisberg bey Aachen" ist die Fläche und Position des Gebäudes bereits dargestellt. Die genaue Bauzeit des Forsthauses ist bisher nicht bekannt, nach den vorliegenden Akten und historischen Abbildungen des Lousbergs bestand das Gebäude aber zumindest in Teilen bereits um 1840, möglicherweise auch schon früher (s.o.). Es dürfte damit zu den ältesten Gebäuden innerhalb des Parks zählen und war möglicherweise bereits Teil der frühesten Parkplanung. Dennoch und vermutlich aufgrund des reinen Nutzcharakters wird das Forsthaus in der Literatur / Artikeln zum Lousberg und seiner Parkanlage nicht erwähnt. Die architekturhistorische Betrachtung solcher Funktionsbauten beschränkt sich im Wesentlichen auf Arbeiten zu frühneuzeitlichen Amtshäusern oder auf die typisierten Bauten späterer Zeit. Umso mehr stellt das Forsthaus auf dem Lousberg ein architekturgeschichtliches Zeugnis dar. Die noch vorhandene Substanz dient trotz ihrer späteren Veränderungen - das heutige Gebäude dürfte in weiten Teilen mindestens aus der Mitte des 19. Jh. stammen - als baugeschichtliche Quelle. Das Gebäude zeigt neben überwiegend erhaltenen Konstruktion und Raumstruktur noch bescheidenen Baudekor wie profilierte Hölzer im Traufbereich sowie als historische wandfeste Ausstattung Holzsprossenfenster mit Klappläden, Türen und Dielenböden auf. Die kleinteilige Raumstruktur diente wohl z.T. als Wohnung des Parkaufsehers bzw. Försters. Die eingeschossige Kubatur mit Walmdach und kleinen Zwerchgiebeln fügt sich in die Parklandschaft unauffällig ein und trat gegenüber den früheren Prachtbau des Belvedere in unmittelbarer Nachbarschaft deutlich zurück. Regionaltypisch ist die Verwendung von Rechteckschiefer, hier jedoch nicht als Dach-, sondern als Fassadendeckung. Das Forst- bzw. Aufseherhaus stellt einen historisch und funktional wichtigen Bau im Zusammenhang mit dem 1995 eingetragenen Gartendenkmal Lousberg mit Salvatorberg dar. Städtebauliche Gründe: Das ehem. Forsthaus auf dem Lousberg liegt innerhalb des eingetragenen Gartendenkmals Lousberg mit Salvatorberg. Es ist sowohl historisch als auch funktional nachvollziehbar eng mit dem Park verknüpft, seine Architektur und Lage innerhalb der Gesamtanlage und Wegeführung ist durch die Parkplanung beeinflusst bzw. begründet. Trotz der zurückhaltenden Architektur ist die Lage innerhalb des Parks aufgrund der Modellierung eines Plateaus zwischen Forsthaus und Belvedere sowie durch den vorbeiführenden Hauptweg zur Hügelspitze durchaus prominent. Die Voraussetzungen des § 2 Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen für die Eintragung in die Liste der geschützten Denkmäler sind daher erfüllt.
Schutzumfang Fassaden und Kubatur, Innenräume, Konstruktion und wandfeste Ausstattung soweit erhalten. Östlich benachbartes Gebäude nicht denkmalwert. - Siehe Lageplan, der Bestandteil der Eintragung ist ?
© CopyrightStadt Aachen
Impressum Datenschutzerklärung