| Merkmale | Erbaut 1892 (Archit. Eduard Linse); 3-geschossiges Stadtpalais in 4 Achsen mit 2-achsigem Mittelbalkon im 1. OG;;
linke Achse mit Tordurchfahrt; rundbogige Fensteröffnungen; Klinker-Putz-Fassade mit Neurenaissance-
Schmuckformen; Rückseitig backsteinsichtige Fassade, großes Rundbogenfenster, sonstige Fenster mit
Segmentbogen; Zierbänder aus gelben Klinkern; im EG linkerhand Wintergarten mit Blausteinstufentreppe und
anschließend kleiner, eingeschossiger Anbau mit Pultdach, davor schmaler Lichthof zur Belichtung des Souterrains;
Plattformdach erneuert und ausgebaut. Im Garten ehem. Stallgebäude mit Backstein-EG und
Fachwerkobergeschoss, schiefergedecktes Walmdach mit Gaube.
Innen: nahezu vollständig erhaltene Raumstrukur und umfangreich erhaltene wandfeste Ausstattung, dazu gehören
Wein- und ehem. Wirtschaftskeller mit Kappendecken, hier wandfeste Ausstattung mit Waschbecken (ehem. Küche),
Fliesen, Türen, Klappläden, nachträglicher Luftschutzkeller mit Stahltür; im EG umfangreiche Stuckverzierungen an
Wänden und Decken, Stuckmarmor in Vestibül und Treppenhaus, Supraporten, zwei neobarocke zweiläufige
Holztreppen, Wohnräume mit Stuck- und Holzdecken, Parkett und teilw. Holzvertäfelung, Raumtrennung zum
Wintergarten mit Säulen auf Brüstung; im 1. OG feingliedrige Stuckdecken mit Putti, Parkett, profilierter Rundbogen,
SW-Raumsituation verändert mit abgehängten Decken; zum 2. OG und DG hölzerne Nebentreppe mit
Stuckunterseiten und Oberlicht, bauz. teilverglastes Türelement im Flur, Räume mit Stuckdecken, Dielenboden; für
das ges. Haus nahezu alle Türen mit Beschlägen vorhanden, hist. Fenster teilweise mit Treibriegeln erhalten.
Dachgeschoss verändert. |
| Begründung | Bedeutung für die Geschichte des Menschen sowie für Städte und Siedlungen:
Das Gebäude Rehmannstraße 8 ist bedeutend für die Geschichte des Menschen sowie für Städte und Siedlungen,
da es einen anschaulichen Eindruck von dem damaligen großbürgerlichen Lebensstil einer Familie aus den oberen
Einkommensschichten vermittelt. Dies zeigt sich auch bereits an der Wahl des Bauplatzes in der unmittelbaren
Umgebung der Burg Frankenberg, die damals in das Neubaugebiet des Frankenbergers Viertels einbezogen wurde.
Aufgrund ihrer Erscheinung und den umgebenden Grünflächen stellte diese ein romantisches Motiv mit exklusivem
Blick dar. Die Freifläche um die Burg bot zudem Platz für eine repräsentative Fassadenentwicklung. Entsprechend
sind in diesem Umfeld (Rehmannstraße / Bismarckstraße) einige der prachtvollsten historistischen Bürgerhäuser mit
repräsentativen Fassadengestaltungen entstanden, für die sich teilweise nahmhafte Architekten der Zeit wie Eduard
Linse verantwortlich zeichneten. Dieser repräsentative Anspruch spiegelt sich auch an der dekorativen Qualität der
erhaltenen, inneren Ausstattung wider. Das Gebäude ist als typisches, historistisch geprägtes Wohnhausmit seinen
erhaltenen, baulichen Details charakteristischer Bestandteil des ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
entstandenen Frankenberger Viertels und damit bedeutend für Aachen.
Es zeigt sich im Bereich von Rehmann- und angrenzender Bismarckstraße ein städtebaulich einmaliges Bild,
welches durch das Zusammenspiel von Burg, Park, historistischen Bürgerhäusern, Bunker- sowie
Nachkriegsbebauung die Genese des Viertels und seine Geschichte auf engem Raum veranschaulicht.
Ferner liegen für Erhalt und Nutzung vor:
Künstlerische Gründe:
Das Gebäude wurden durch den Aachener Architekten Eduard Linse (*1848 / +1902) errichtet. Er studierte
an der polytechnischen Schule in Aachen und arbeitete möglicherweise bei den Architekten J. Felten, J. C.
Raschdorff oder H. O. Pflaume in Köln.
Bis auf wenige Projekte in Köln (Wohnhaus) und Essen (Verwaltungsgebäude für den "Bergbau-Verein
Dortmund") baute Linse wohl ausschließlich in Aachen und Burtscheid. Zu seinen Werken zählen
insbesondere zahlreiche private Wohn- und Villenbauten in Aachen, darunter die Villa Cassalette (1883-88,
heutiges Suermondt-Ludwig-Museum), das Wohnhaus Brüggemann an der Oppenhoffallee (1887), die Villa
Erica für den Nadelfabrikanen C. Seyler (1996-97), oder das hier beschriebene Stadtpalais Charlier an der
Rehmannstraße. Zu seinen bekannteren Bauten zählen außerdem die Augenheilanstalt an der
Stephanstraße (1887-88), das Kurhaus in Burtscheid (1889) und das Bankhaus Suermondt an der
Theaterstraße (1900). Außerdem war er an der Errichtung der Kirche St. Jakob (Entwurf H. Wiethase) und
an der Fassadenerneuerung an St. Nikolaus beteiligt.
Für seine Bauten nutzt er eine fast ausschließlich historistische Formensprache mit teils wiederkehrenden
Zierelementen und Neurenaissance-Motiven, z.b. Rustikafassaden. Die Bauten besitzten z.B. eine sehr
differenzierte, meist symmetrische Fassadengestaltung mit straffer Organisation von Flächen und
Öffnungen sowie plastischer Ausbildung der Gliederungselemente (Bossenwerk, Gesimse, Attika etc.) in der
Tradition der italienischen Renaissance. Seine Architektur weist ihn als Spezialisten und Kenner historischer
Bauformen aus, der diese geschickt kombiniert und auftragsbezogen, d.h. in diesem Fall für eine
repräsentative Stadtvilla, anwendet.
Eduard Linse ist als Architekt mit einem umfangreichen Bauschaffen für die Entwicklung der historistischen
Architektur in Aachen von Bedeutung.
Wissenschaftliche, insbesondere architekturhistorische und hauskundliche Gründe:
Das Gebäude ist als repräsentatives Stadtpalais anzusprechen. Die in historisierenden Schmuckformen
gehaltene Straßenfassade stellt ein anschauliches Beispiel für eine Fassadengestaltung des Historismus
dar. In dieser Zeit besann man sich auf die Baustile vergangener Epochen, studierte sie und komponierte
aus ihnen neue zeitgemäße Fassaden, die oft eine Mischform aus verschiedenen Stilelementen zeigen. Bei
diesem Objekt überwiegen Formen der Neorenaissance und des Neobarock, wie anhand der Rustika und
den Giebelüberdachung der Fenster zu erkennen ist.
Das Gebäude zeigt in seiner Fassadengestaltung deutliche Ähnlichkeit zu weiteren Bauten Linses, z.B. zur
Bismarkstr. 65, seinem Wohnhaus, der Villa Cassalette an der Wilhelmstraße (1883-88, heutiges
Suermondt-Ludwig-Museum) oder der Augenheilanstalt an der Stephanstraße (1887-88). Die Bauten
besitzten z.B. eine sehr differenzierte, meist symmetrische Fassadengestaltung mit straffer Organisation
von Flächen und Öffnungen sowie plastischer Ausbildung der Gliederungselemente (Rustika, Gesimse,
Attika etc.) in der Tradition der italienischen Renaissance.
Der prächtigen Klinker-Putz-Fassade zeittypisch entgegengesetzt ist eine relativ schlichte, backsteinsichtige
Gartenfassade mit unregelmäßigen Achsen und wenigen Zierelementen aus gefärbten Klinkern.
Das kleine Stallgebäude im Garten wirkt in seiner Proportion zum großen Vorderhaus unterdimensioniert.
Es zeigt die seinerzeit für untergeordnete Bauaufgaben übliche Mischform von massivem Sockel und
Fachwerk-Aufbau.
Neben der Fassadengestaltung ist auch die erhaltene Innenstruktur und -ausstattung des Stadtpalais in für
Aachen seltener Vollständigkeit erhalten. Alle Geschosse mit Ausnahme des Dachgeschosses, d.h.
Tiefkeller, Wirtschaftskeller, EG, 1. und 2. OG sind in ihrer großzügigen Raumstruktur nahezu im
Originalzustand erhalten. Die großbürgerliche, herrschaftliche Ausstattung ist anhand von reichem Wandund
Deckenstuck, Marmor-, farbigen Fliesen-, Parkett- und Dielenböden, großzügigem Treppenhaus mit
neubarocker Holztreppe sowie Nebentreppen mit Treppenkästen und den fast vollständig erhaltenen
(Doppelflügel-)Holztüren und -fenstern ein wichtiges Zeugnis der zeitgenössischen Architektur, ihres
Repräsentationszweckes und dem Wohnanspruch des gehobenen Bürgertums. Umfangreichere
Veränderungen sind nur in der Beletage (1. OG) auf der Gartenseite zu finden (abgehängte Decken,
kleinteilig veränderte Raumstruktur in der SW-Ecke). Im Tiefkeller befindet sich als nachträglich
eingerichtetes Zeugnis des 2. Weltkrieges ein mit Lüftungsgitter und Stahlschutztür erhaltener
Luftschutzraum gemäß Anordnung "L.Dv. 793" von 1939.
Das Stadtpalais ist aufgrund seiner kaum veränderten Gestalt und Kubatur, seiner nahezu vollständig
erhaltenen wandfesten Ausstattung und Struktur von hoher Bedeutung für die Architekturgeschichte und als
baugeschichtliche und hauskundliche Quelle unverzichtbar.
Städtebauliche Gründe:
Das Objekt stellt einen wesentlichen Bestandteil der historistischen Bebauung an Rehmann- und
Bismarckstraße im Bereich der Burg Frankenberg dar. Große Teile der unmittelbaren Nachbarbebauung
stehen ebenfalls unter Denkmalschutz. Insofern ist dieses Gebäude auch ein unverzichtbarer Bestandteil
dieses gut erhaltenen städtebaulichen Zusammenhangs.
In der Vielfalt der einzelnen Zuschnitte und Fassadenausbildungen sind die im Frankenberger Viertel
entstandenen Wohnquartiere charakteristisch für die Architektur dieser Zeit und in ihrer Anordnung und
Geschlossenheit bedeutend für die städtebauliche Entwicklung der Stadt.
Die Voraussetzungen des § 2 Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen für die Einstufung als Baudenkmal sind
daher erfüllt. |