| Merkmale | Wohnhaus datiert auf Türkeilstein mit Christusmonogramm "IHS" 1818; zweigeschossiges, straßenseitig regelmäßig vierachsiges Bruchsteinhaus mit Satteldach; freie Giebelwand zweiachsig, rückseitige Fassade weitgehend geschlossen; Fenster- und Türgewände aus Blaustein mit Segmentbogen und Keilstein, Entlastungsbogen aus Backstein, umlaufende Falz und Kloben für ehem. Fensterläden erkennbar. Im straßenseitigen OG überputzte Fenstergewände mit "Ohren"; Mauerwerk mit nachträglich angearbeiteten Wulstfugen. Erneuerte Holzfenster. Innen grundlegende Struktur und Konstruktion mit zwei Kaminanlagen, Balkendecken mit Mutter- und Kinderbalkenlage sowie Dachstuhl nachvollziehbar erhalten; Hohlkehlendecken, Rahmenfüllungstüren (z.T. im DG gelagert), Eichen-Dachstuhl mit Bockbindern, Krummstreben, Pfetten und Sparrenlage vollständig erhalten. |
| Begründung | Ein öffentliches Interesse an der Erhaltung und Nutzung dieses Denkmals besteht aufgrund der Bedeutend für Städte und Siedlungen. An seiner Erhaltung und Nutzung besteht wegen wissenschaftlicher und städtebaulicher Bedeutung ein Interesse der Allgemeinheit.
Bedeutung für Städte und Siedlungen:
Das Gebäude stellt ein ländliches Wohnhaus aus der Zeit kurz nach der französischen Besetzung des Rheinlandes 1794-1815 dar. In dieser Zeit wurden die von den Truppen Napoleons besetzten linksrheinischen Gebiete annektiert und den rechtlichen, administrativen und politischen Gegebenheiten Frankreichs angeglichen. Zu den Umstrukturierungen und Modernisierungen zählten auch überregionale Projekte, wie die von Aachen aus erfolgte Vermessung durch Jean Joseph Tranchot, der Umbau der Aachener Stadtbefestigung zu Grünflächen und große Straßenbauprojekt wie hier der Bau der Aachen-Trierer-Landstraße, die bis heute die wichtigste Straßenverbindung von Aachen in die südlichen Gebiete darstellt. Diese Straßenachse ermöglichte eine bessere Anbindung der ländlichen Siedlungen an die Stadt und ermöglichte den Bau neuer Häuser und die Neuordnung von Parzellen. Die Besiedlung erfolgte außerhalb der Stadtgrenzen zunächst nur spärlich und mit traditionellen Bruchsteinbauten, wie es das hier zur Rede stehende Gebäude darstellt. Erst Anfang 20. Jh. kann u.a. durch das Bevölkerungswachstum, die Nutzung der Straßentrasse durch die Aachener Straßenbahn, Ansiedlung u.a. der städtischen Wasserwerke etc. eine deutlich anziehende Bebauung festgestellt werden. Das hier zur Rede stehende Gebäude stellt nicht nur einen noch ganz der frühneuzeitlichen Bautradition folgenden, ländlichen Wohnhaustyp dar, sondern es ist im Kontext der napoleonischen Straßenplanung und Siedlungsentwicklung im Aachener Süden von Bedeutung.
Ferner liegen für Erhalt und Nutzung vor:
Wissenschaftliche, insbesondere architekturhistorische und hauskundliche Gründe:
Das Gebäude gehört zur frühesten Bebauung entlang der in napoleonischer Zeit angelegten Aachen-Trierer-Landstraße. Es zeigt trotz späterer Veränderungen zahlreiche regional- und zeittypische Merkmale eines einfachen Wohnhauses zu Beginn des 19. Jh. In dieser Zeit überwiegt noch v.a. in den ländlichen Gebieten eine traditionelle Bauweise in Bruchstein, dreizoniger Raumstruktur und eine Konstruktion mit Mutter- und Kinderbalkenlage. Dem entspricht auch der vollständig erhaltene Pfettendachstuhl aus Eichenholz mit einer regionaltypischen Bockstuhl-Konstruktion mit Krummstreben. Schon im zweiten Drittel des 19. Jh. findet häufiger auch Nadelholz Verwendung in den Konstruktionen Die noch erhaltenen großen Kaminzüge an Giebel und zentral im Gebäude geben Hinweise auf die ursprüngliche Beheizung und Raumnutzung. Das Gebäude kann somit als wichtige Quelle für die Entwicklung der regionalen Architektur und Konstruktion im Übergang zu einer Zeit neuer, v.a. preußischer Einflüsse im 19. Jh. gesehen werden und stellt hier ein Zeugnis traditioneller Bauweise dar.
Städtebauliche Gründe:
Die Trierer Straße prägt als schnurgerade, in napoleonischer Zeit (1794-1815) gebaute Straßenachse Aachen-Trier die südöstlich angegliederten Vororte und Gemeinden auf Aachener Stadtgebiet. Nach ihrer Fertigstellung wurden sukzessive neue Gebäude parallel zur Trierer Straße errichtet, wie es hier am Haus. Nr. 644 und dem benachbarten, ebenfalls denkmalgeschützten Haus Nr. 648 erkennbar ist. Das Gebäude steht somit im zeitlichen und städtebaulichen Kontext zur überregionalen napoleonischen Straßenplanung. Die vorhandenen Straßenzüge der älteren Siedlungskerne wurden beim Bau der Straße teils diagonal gekreuzt. So lassen sich im Ortsteil Forst und Brand anhand der Lage der historischen Bebauung und vorhandenen Denkmalobjekte unterschiedlicher Zeitstellungen sowohl die älteren Straßen- und Wegeverbindungen, die Neuausrichtung mit Bau der Landstraße des 19. Jh. und die Entwicklung der Stadtgebiete nachvollziehen. Im Stadtgrundriss ist die Achse bis heute markant und wesentlich für die Erschließung der südöstlichen Stadtgebiete.
Die Voraussetzungen des § 2 Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen für die Eintragung in die Liste der geschützten Denkmäler sind daher erfüllt. |