| Merkmale | Gut Groß-Uersfeld, Ersterwähnung 1288 und 1381, Rittersitz der Herren von Oirsfeldt; später zeitweise Besitz des Aachener Bürgermeisters Cornelius de Fays (Anfang 18. Jh.) und des Aachener Industriellen James Cockerill (Mitte 19. Jh.); Vierflügelige Hofanlage mit weiß geschlämmten Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, Sattel- und Walmdächer mit Hohlziegeldeckung, von drei Seiten mit Wassergraben umgeben; erhaltene Bausubstanz des 16. bis 20.
Jh.; Nordostecke mit ehem. Herrenhaus, dreigeschossiger Baukörper in Backstein auf Bruchsteinsockel, Obergeschosse und Dach im 20. Jh. reduziert und verändert, Fenster im Sockelgeschoss und zum Hof mit Werksteingewände, teils bauzeitliche Fenstergitter. Sockel- bzw. Kellergeschoss weitgehend erhalten mit Tonnengewölben, Zu- und Durchgänge mit rundbogigen Werksteingewänden. Obergeschoss-Grundrisse und Dach weitgehend verändert, Balkendecken mit Mutterbalken vermutl. abgehangen, grundlegende Struktur des ehem. Herrenhauses im Baukörper ablesbar; Hauptzugang über moderne Treppe vom Hof. In den hofseitigen Räumen Kaminblock erhalten; in den westlichen Wohnräumen Rahmenfüllungstüren und Treppenanlage der 1920er Jahre. Anschließend zweigeschossiger Nordostflügel in Backstein, Kern wohl 16. Jh., Hoffassade unregelmäßig, Öffnungen verändert, linke Hoftür mit Blausteingewände; regelmäßige Gartenfassade im 19. Jh. überarbeitet, Fenster mit flachem Segmentbogen, Zahnfries und Ankereisen; drei kleine Schleppgauben im Dach. Innen historische Raumstruktur, Konstruktion und Ausstattung weitgehend erhalten, bauzeitliche Balkendecken mit verputzter Mutter- und Kinderbalkenlage, angenagelte Spalthölzer als Putzträger (um/vor 1800); im EG Kaminblock der ehem. Küche. Holzfenster im EG erneuert. Im OG Raumstruktur mit hofseitigem Flur und gartenseitiger Raumfolge erhalten, hist. Türen samt Rahmen und Beschlägen vermutl. des 18.-19. Jh., hist. Sockelleisten, Dielenböden, Wandschränke, Reste von Wandfassungen. Gartenseitig schmaler Raum als Zugang zum ehem. Aborterker; OG mit hist. Holzsprossenfenster mit Treibriegelverschluss. Ergänzungen durch Rokoko-Ausstattung aus anderem baulichen Kontext, um 1960. Bauzeitlicher Dachstuhl als Bockkonstruktion mit Unterfirst und aufgelegten Pfetten und Sparren vollständig erhalten. Nach Süden anschließend turmartig zum Graben vortretender
Mittelrisalit und Südostflügel mit Wohn- und Technikräumen als wesentliche Neu- und Umbaumaßnahme der 1950er Jahre. Markanter Mittelrisalit anstelle des hist. Tores mit Werkstein-Rundbogenpforte und vorgelagerter Brücke in den Garten, breite dreiteilige Fenstergruppe im 1. Obergeschoss, darüber Balkon mit eingezogener Loggia, flaches Walmdach. Anschließender Südostflügel ehem. Wirtschaftsgebäude, die bauzeitlich geschlossene gar
tenseitige Backsteinfassade mit modernen Ergänzungen und Öffnungen für Wohnnutzung umgebaut, hofseitig ehem. Stallfenster und -türen verändert, umlaufender Zahnfries als hist. Element erhalten. Innenräume verändert, im EG Technik- und Lagerräume, im OG Wohnräume der 1950/60er Jahre, hist. Dachstuhl in Teilen erhalten. An der Südostecke vortretende Mauerpfeiler als Rest des abgegangenen Südostturmes. Südflügel, datiert mittels Alli
anzwappenstein über hofseitigem Rundbogentor auf 1663, ehem. ungeteilte Backsteinscheune mit offenem Dachstuhl, östliches Drittel durch Schwimmbadeinbau um 1960 im EG samt zugehöriger Räume und Einzug eines Zwischengeschosses stark verändert. Mittig großer Scheunenraum mit Toreinfahrt, Hofseitig ehem. weitere Öffnungen vermauert, nach Westen zweigeschossig ausgebaut (um 1900) mit ehem. Stallräumen, Zugang zum Eckturm;
über dem gesamten Scheunenbau Dachstuhl als Bockkonstruktion erhalten, Mutterbalken auf Wandvorlagen gelagert. Eckturm von 1611, viergeschossig in Backstein, Schießscharten im EG und Fenster mit Werksteingewänden; unterste Geschossdecke in Beton, übrige Holzbalkendecken, Erschließung über Leitern, offener Kamin im 1.OG, oberses Geschoss mit Wandnischen vermutl. zur Taubenhaltung; Kegeldach mit Schieferdeckung, kleine Gaube.
Westflügel 18. Jh., 1 ½-geschossiges Stallgebäude in Backstein mit jüngerer Tordurchfahrt als Zugang zum Hof, Öffnungen in den Fassaden geschlossen/verändert, um 1900 zu Stallfenstern aus Metall umgebaut und über EG Betonkappendecke eingezogen; im hohen Drempel hofseitig bauzeitliche Heuluken zum durchgängigen Dachraum, vollständig erhaltener Dachstuhl als Bockkonstruktion mit Riegelpfetten und Sparren. Nordwestflügel, Scheunenbau aus Mergel- und Backstein, Nordfassade und Westgiebel fast vollständig ersetzt bzw. verändert, breite Toreinfahrt zum Hof, Stallfenster und Eingang zum Wohnhaus nachträglich ergänzt; historischer Dachstuhl mit Bockkonstruktion, Mutterbalken, Pfetten als Primärkonstruktion weitgehend erhalten. Südlich und v.a. östlich an die Hofanlage angrenzender Wassergraben und Parkanlage mit konzeptioneller Sichtachse und Allee. |
| Begründung | Gem. § 2 (1) DSchG NRW sind Denkmäler Sachen, Mehrheiten von Sachen und Teile von Sachen, an deren Erhaltung und Nutzung ein öffentliches Interesse besteht. Ein öffentliches Interesse besteht, wenn die Sachen bedeutend für die Erdgeschichte, für die Geschichte des Menschen, für die Kunst- und Kulturgeschichte, für Städte und Siedlungen oder für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse sind und an deren Erhaltung und Nutzung wegen künstlerischer, wissenschaftlicher, volkskundlicher oder städtebaulicher Bedeutung ein Interesse der Allgemeinheit besteht. |
| Schutzumfang | Hofanlage mit umgebendem Wassergraben, Gebäude vollständig außen und innen wie beschrieben. Von den Außenanlagen ist der Wassergraben sowie die von Osten heranführende Allee mit Sichtachse schutzwürdig. Der nördliche Scheunenbau aus jüngerer Zeit ist nicht Teil des Denkmals; ebenso nicht die nordöstlichen Anbauten des ehem. Herrenhauses, ebenfalls nicht Teil des Denkmals ist die Innenausstattung des Südost- und Südflügels mit
Wohn-, Technikräumen und Schwimmbad aus der Mitte des 20. Jh. Die Rokoko-Ausstattung (Holzsichtige Türen, kurze Treppe zum Bad im Nordostflügel, Wandbrunnen, Schränke, Kamin im Südostflügel) des ehem. Herrenhauses und der anschließenden Wohnräume im Obergeschoss des Nordostflügels stammt aus einem anderen baulichen Kontext und sind als Sammlungsstücke wohl in den 1950er/60er Jahren in das Haus gelangt; sie sind erhaltenswert, gehören aber nicht zum Schutzumfang.
- Siehe Lageplan, der Bestandteil der Eintragung ist. - |